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Plauderbšnkchen im Kurpark

Plauderbšnkchen im Kurpark

Wer in den letzten Wochen durch den Kurpark geschlendert ist, konnte in der Nähe des Gsundbrunnens eine Parkbank mit einem orangefarbenen Schild entdecken. Dort steht zu lesen: „Mein rechter Platz ist leer…“. Das weckt natürlich Erinnerungen an das alte Kinderspiel, bei dem ergänzt wird „… da wünsch ich mir die Karin her“ oder den Peter, die Susi ...

Doch was soll das Ganze auf einer Parkbank im Kurpark? Wer auch das Kleingedruckte auf dem Schild liest, findet die Erklärung. Denn da steht „Plauderbänkchen der Klinikseelsorge“ und „dienstags ab 18.15 Uhr“. Es handelt sich um ein neues Angebot der Klinikseelsorge. Wenn das Wetter mitspielt, ist am frühen Dienstagabend entweder meine Kollegin Pfarrerin Kleih oder ich auf der Bank anzutreffen. Wir sind einfach da und freuen uns auf die Begegnungen, die sich ergeben.

Durch die derzeitigen Kontaktbeschränkungen ist es für Gäste ja gar nicht so leicht, mit anderen in Kontakt zu kommen. Und da man im Freien zurzeit besser aufgehoben ist als in geschlossenen Räumen, bieten wir den Gästen einfach unsere Gesellschaft an, zwanglos und aufgeschlossen. Sollte das Schild zu anderen Zeiten Leute zur Kontaktaufnahme unter freiem Himmel animieren, umso besser!

Erst als das Schild bereits in Arbeit war, habe ich in der Wochenzeitung DIE ZEIT einen Artikel mit der Überschrift „Zuhören hilft“ entdeckt. Darin wurde über das Projekt der Freundschaftsbänke, der „friendship benches“ im New Yorker Armenviertel Harlem berichtet. Dort sitzen auf orangefarbenen Plastikbänken Frauen und Männer, die in einem mehrwöchigen Training gelernt haben, wie sie anderen emotionale Unterstützung leisten können. So finden Menschen in New York Zuhörer, denen sie ihr Herz ausschütten können. Ursprünglich stammt die Idee mit den Freundschaftsbänken aber aus Simbabwe. Die Leiterin des New Yorker Gesundheitsamtes hatte dort viele Jahre als Ärztin gearbeitet und die Idee mitgebracht. In dem südostafrikanischen Land sind viele Menschen traumatisiert. Hunger, Aids und das brutale Regime des Diktators Mugabe haben in den Seelen der Menschen Spuren hinterlassen. Professionelle therapeutische Hilfe ist kaum vorhanden. Es gibt aber im ganzen Land verteilt hunderte Großmütter, die auf hölzernen Bänken im Schatten eines Baumes ein offenes Ohr haben für alle, die jemand zum Reden brauchen. Ein Psychiater, der das Projekt auf den Weg gebracht hat, erklärt dazu: „Großmütter verfügen über Lebenserfahrung, vor allem aber können sie geduldig zuhören“. Das Projekt mit den Großmüttern ist so erfolgreich, dass inzwischen schon mehrere andere Länder die Freundschaftsbänke übernommen haben.

Wolfgang Preiss-John
Pastoralreferent Kath. Klinik- und Kurseelsorge

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